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Prof. Lutz Heuser infomiert städtischen Haupt- und Finanzausschuss

 

 Was ist Smart City?

Smart City ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Endlichkeit der Ressourcen, die Demografie und der Klimawandel werden zu den bestimmenden Faktoren für die Städte.

Grundsätzlich geht es um die intelligente Steuerung städtischer Systeme. Wie können sich Menschen freier in der Stadt bewegen, ohne dass die Gefahr des Verkehrsinfarkts wächst? Wie können Städter weniger Trinkwasser verbrauchen, ohne dass gleichzeitig der Abwasserkreislauf zum Erliegen kommt? Wie wird aus Müll neue Energie? Neu sind diese Fragen nicht, nur die Art, ihnen zu begegnen. Durch die zunehmende Digitalisierung entstehen Unmengen an Daten, die ausgewertet, zusammengeführt und zu intelligenten – also: smarten – Lösungen entwickelt werden können.

Ein Milliardenmarkt sind Schnellladestationen für Elektroautos oder Blockheizkraftwerke für Bürogebäude schon heute. Fachleute erwarten, dass sich die Entwicklung enorm beschleunigen wird. Im laufenden Jahr werden in den Smart Citys dieser Welt rund 1,1 Milliarden Ampeln, Stromzähler, Müllcontainer mit Sensoren ausgestattet und vernetzt sein. Schon 2017 wird sich die Zahl der Geräte und Gegenstände auf 2,7 Milliarden mehr als verdoppelt haben. Nicht allein mit den Geräten selbst lässt sich Geld verdienen; vor allem Dienste und Apps, die sich aus den Daten entwickeln lassen, gelten unter dem Begriff Smart Services als Geschäft der Zukunft.

Wie kann Bad Hersfeld davon profitieren?

Um genau diese Frage geht es bei dem Vortrag "Smart City und wirtschaftlicher Nutzen für die Stadt". Prof. Lutz Heuser wird dazu am 11. Februar vor dem öffentlichen Haupt- und Finanzausschuss der Kreisstadt sprechen.

Lutz Heuser gilt als einer der führenden Wissenschaftler im Themenfeld Smart City. Heuser war lange Jahre Entwicklungschef bei SAP. Er ist nicht nur Ansprechpartner des Smart City Forum Deutschland, sondern seit 2012 auch Geschäftsfüher des urban software institute mit Niederlassungen in Berlin, Walldorf, Darmstadt, und New York. Das Software- und Beratungsunternehmen ist ein Inkubator für Produkte und Lösungen in Sachen Smart Cities. Seit 2013 ist Heuser auch Mitglied der Expertengruppe für die Europäische Innovationspartnerschaft "Smart Cities and Communities".

Bezeichnenderweise hält Prof. Heuser seinen Vortrag nicht im Fachausschuss für Stadtplanung und Umwelt, sondern im Haupt- und Finanzausschuss. Es geht nämlich nicht nur um technische Lösungen, sondern vor allem um das mögliche Geschäftsmodell der Stadt: Wie kann Bad Hersfeld aus Smart-City-Lösungen möglicherweise mittel- und langfristig Einnahmen generieren? Darüber sollen die Stadtverordneten im Rahmen der laufenden Haushaltsberatungen informiert werden.

Prof. Heusers Kontakte nach Bad Hersfeld gehen auf eine Einladung von Bürgermeister Thomas Fehling zurück. Fehling hatte in seinem Haushaltsentwurf das Thema von Investitionen in Smart City eingebracht, um dann später daraus auch finanzielle Mittel für den städtischen Haushalt zu erwirtschaften. Dabei geht es weniger um den aktuellen Haushalt für das Jahr 2016, sondern vor allem um die Folgejahre 2017 bis 2019. Die müssen im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes ebenfalls mit entschieden werden.

Fehlings Ansatz: "In diesem Thema Smart City ist weltweit sehr viel Bewegung. In Europa und in Deutschland fließen derzeit sehr große Fördersummen in entsprechende Projekte. Neben den eigentlichen Vorteilen für den städtischen Raum lassen sich aus digitalisierten, vernetzten Prozessen eben Daten gewinnen, die für bestimmte zahlungsbereite Nachfrager durchaus lukrativ sind. Das sind z.B. Meßdaten aus dem Umweltbereich oder aus dem Verkehrsbereich."

Die HFA-Sitzung ist öffentlich und beginnt am Donnerstag (11. Februar) um 16:30 Uhr. Sitzungsort ist der  Multifunktionsraum (3. Stock) der Stadt-Bibliothek am Marktplatz. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.